Mein Kampf gegen den Schwindel

 

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Der vermeintliche Helfer ... (27. August 2014)

Heute war der Tag eigentlich ganz gut, bis, ja bis ich meine Tablette gegen den Schwindel genommen hatte. Vorher war ich draußen eine Runde walken, war danach noch auf  meinem Crosstrainer, habe ein bisschen den Abstellraum aufgeräumt und die Wäsche gemacht. Dann fiel mir siedendheiß gegen Mittag ein, dass ich noch nicht mein Medikament genommen hatte. Schnell warf ich die Tablette ein und etwa eine halbe Stunde später wurde ich leicht zittrig, mein Blick rutschte nach, der Boden wurde wackelig und sobald ich den Kopf zu schnell oder zu viel bewegte, hatte ich leichten Schwindel … Nun, und da kam mir der Gedanke, ob das Medikament vielleicht nicht so ganz unschuldig daran ist, dass sich dieses wackelige Gefühl so gar nicht legen will. Zur Vorsicht kramte ich mir noch den Beipackzettel raus. Und was stand da?! – Kann Unruhe, Zittern, Schwindel auslösen – sogar als sehr häufiges Symptom beschrieben … Wie toll ist das denn? Da nehme ich ein Medikament gegen den Schwindel, was häufig Schwindel auslösen kann … Ähm, ich bin ja nur Laie, aber macht so etwas Sinn???
30.8.14 15:33


Weiter gekämpft ... (26. August 2014)

Obwohl der Tag nicht so gut angefangen hat, habe ich mich nach einer kurzen “Tiefphase” nicht unterkriegen lassen und habe weiter gekämpft. Ich habe alles gemacht, was ich mir für heute vorgenommen hatte und als I-Tüpfelchen habe ich mir noch die Haare gefärbt. Das war die richtige Antwort für meinen Schwindel. Über Kopf die Haare in der Badewanne auswaschen, richtig am Kopf rubbeln und trocknen – auch über Kopf. Gut, dass mich niemand gesehen hat, wie ich zeitweise auf schwankenden Beinen stand. Über Kopf kann ich schon seit über 3 Wochen nichts machen, weil dann die Erde bedrohlich schwankt und ich die Welt um mich herum nur noch drehend betrachten kann. Aber was soll ich sagen. Der Schwindel hörte genau so schnell auf, wie er angefangen hat … Gegen Abend ging es mir dann sogar besser als am restlichen Tag.

Wieder merke ich, dass ich mich einfach nicht von diesem Schwindelerleben beeindrucken lassen darf und dass ich einfach nicht zu sehr auf meine Körperreaktionen achten darf, nicht jedes kleinste Wackeln überbewerten oder sogar davor Angst kriegen darf. Ich muss versuchen, so normal wie möglich zu leben und alles so normal wie möglich auszuüben. Was kann schon im schlimmsten Fall passieren? Gut, ich könnte umkippen. Bin ich ja auch schon, aber auch dabei habe ich mir nichts getan und es ist nichts weiter passiert. Alles in mir muss endlich kapieren, dass ich nichts Lebensbedrohliches habe und dass diese Angst vor diesem Erleben einfach nicht so viel Platz in meinem Leben einnehmen darf. Ich denke, die unbewusste Angst – die ist das eigentliche Problem …

30.8.14 15:33


Wackelige Welt (26. August 2014)

Heute ist alles wieder ein bisschen wackeliger. Ich war gerade meine Runde walken und auf den letzten 500 Metern wurde der Boden weich wie Kaugummi. Ich wurde unruhig, versuchte aber ruhig zu bleiben und die Angst, die schon wieder aus ihren Löchern hervorkriechen wollte, wegzuatmen … Ich bin auch heil nach Hause gekommen.

Der Arzt meinte gestern, das brauche halt seine Zeit und ich müsse 2-3 Monate einplanen, um mich von dieser Akutgeschichte zu erholen und bis das Gleichgewichtsorgang wieder 100 %ig funktionieren würde, können sogar 2 bis 3 Jahre vergehen.

Ich gebe es zu: Geduld ist nicht meine stärkste Seite. Vielleicht werde ich gerade deshalb gezwungen, mich ein wenig (oder auch ein bisschen mehr) in Geduld zu üben …

In dieser Geschichte gibt es so viele “Vielleichts” … Es ist alles nur ein Vielleicht. Nichts Genaues weiß man und kann man prognostizieren. Vielleicht erholt sich der Gleichgewichtssinn komplett, Vielleicht auch nicht. Vielleicht dauert es zwei Jahre, vielleicht dauert es aber auch 5 Jahre. Vielleicht hat sich mittlerweile ein phobischer Schwankschwindel entwickelt. Vielleicht kommen diese Schwankungen und Empfindungen aber doch tatsächlich vom Ohr. Vielleicht wache ich eines Tages auf und alles ist wieder gut. Vielleicht aber auch nicht …

Heute bin ich ein Zweifler – auch, wenn ich weiß, dass das nicht gut ist …

30.8.14 15:32


Ein Gedanke

Sollte man die Krankheit eher als Feind oder als Freund betrachten?

Als ich gerade die Wäsche zusammenlegt, schoss mir ein Gedanke in den Kopf. Vielleicht ist es falsch von mir, den Schwindel als Feind zu  betrachten und dagegen in den Kampf zu ziehen. Vielleicht ist es besser, die Erkrankung anzunehmen und als Hinweis meines Körpers zu verstehen?

Ich habe mal gelesen, dass es sich bei den Menschen, die so langfristig vom Schwindel betroffen sind, gerade um Personen handelte, die das ganze Leben durchgetaktet hatten. Alles organisiert. Alles perfekt im Griff. Keine Zeit zum Durchatmen. Aber starkt und fest im Leben stehend. Diese Menschen könnten den Schwindel als eine Möglichkeit des “Innehaltens”, des zwanghaften ruhiger-werdens, als Chance über ihr Leben nachzudenken, annehmen. Denn ein Leben, wo jede Minute durchgeplant ist, mit den Stresssituationen, die entstehen, wenn halt ein Zeitplan durch äußere Umstände nicht eingehalten werden kann, ein Leben ohne Ruhepausen und Rückzugsmöglichkeiten, ist auf Dauer nicht gesund und schadet dem Körper und der Psyche immens und so bremst halt der Schwindel den Körper aus … so, wie es jede andere Krankheit, wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall, auch hätte tun können. Puh, dann könnte ich tatsächlich wirklich dem  Schwindel dankbar sein … also, dass es nur der Schwindel ist und nichts Ernsteres …

Denn ausgebremst hat er mich. Hat mich klein werden lassen, obwohl ich immer stark sein wollte und auch so wirkte. Hat mich um Hilfe bitten lassen, obwohl ich nur ganz schlecht um Hilfe bitten kann. Hat mich nachdenklich werden lassen, anstatt jeden Tag nur im Alltragstrott gedankenlos zu begehen.

Gut, zugegeben, ich hätte auch gerne auf all diese Erfahrungen verzichten können. Auf der anderen Seite sind es Erfahrungen, die ich noch nie gemacht habe und die mich erstmals über mein Leben und dessen Endlichkeit haben nachdenken lassen. Mein Gott, habe ich in den letzten Wochen und Monaten gegrübelt und nachgedacht. Habe nach Ursachen gesucht, nach Lösungen gesucht und nach jedem Strohhalm gegriffen, war am Verzagen, am Klagen, am Selbstbemitleiden, am Hoffen, am Ausprobieren … Aber ehrlich gesagt, habe ich niemals versucht, den Schwindel wirklich anzunehmen. Gut, ich habe darüber gelesen und auch mit einer Freundin gesprochen, die die Auffassung verträgt, dass man jede Krankheit, jedes Gefühl, jede Empfindung annehmen muss, bevor sich etwas bessern kann. Ja, das klang durchaus plausibel und ich hatte es auch nicht völlig ausgeschlossen, aber angenommen habe ich den Schwindel niemals …

Vielleicht ist er doch mein Freund und nicht mein Feind …

30.8.14 15:31


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